Des Öfteren rauchen unsere Köpfe nach intensiven Sprachstunden. Täglich lernen wir Neues dazu. Einige Merkmale und witzige Details der aserbaidschanischen Sprache möchten wir mit dir teilen.
Aserbaidschanisch gehört zur Gruppe der Turksprachen und ist dem Türkischen insbesondere in der Grammatik sehr nahe. Zudem sind die Einflüsse der arabischen, persischen und russischen Sprache deutlich erkennbar. Vielfach lernen wir ein neues Wort und merken dann später, dass es dafür noch etliche Synonyme gibt, geprägt von verschiedenen Sprachgruppen. Manchmal haben wir den Eindruck, dass wir nicht nur eine, sondern gleich mehrere Sprachen gleichzeitig lernen. Beispielsweise werden für den Begriff «Tisch» die Wörter „stol“ aus dem Russischen, „masa“ aus dem Türkischen oder „miz“ aus dem Persischen gleichermassen verwendet.

Dankbarerweise ist Aserbaidschanisch in lateinischer Schrift geschrieben. Das erleichtert uns das Lesen und Schreiben. Dem war aber nicht immer so: Bis ins Jahre 1929 wurden die perso-arabischen Schriftzeichen verwendet. Zwischenzeitlich von 1929 – 1938 wurden die Lateinischen benutzt, um dann mit Einzug der Sowjetunion ab 1939 zu den Kyrillischen zu wechseln. Mit der Unabhängigkeit im Jahre 1991 wurde jedoch beschlossen zur lateinischen Schrift zurückzukehren.
Im Unterschied zur deutschen Sprache müssen wir uns um kein grammatisches Geschlecht (der, die, das) kümmern und beim Konjugieren der Verben entfällt die Unterscheidung zwischen „er“, „sie“ und „es“, das ist ganz einfach „o“. Dafür werden dem Nomen mit Nachsilben etliche Informationen angehängt. Beispielsweise heisst „Das ist von unseren Freunden“: „dostlar-ımız-dan-dır“ (wortwörtlich übersetzt: „Freunden unsere von ist“).
Im Besonderen werden in der aserbaidschanischen Sprache eine grosse Anzahl an Vokalen verwendet. Kennst du ein Wort, das fünf Mal den Buchstaben „ü“ enthält? Hier ein Beispiel: „Maşin sürücüsünün eynəyi var“, (wortwörtlich: „Auto Fahrer Brille hat“). An diesem Satz wird ebenfalls deutlich, dass das Verb am Satzende platziert wird, was anfänglich unsere Hirnwindungen arg strapaziert hat.
Interessant ist, dass das Wort „sağ ol“ („ğ“ z. Dt. „r“) einerseits verwendet wird um Danke zu sagen und andererseits um sich zu verabschieden. Der Dank geht so nie vergessen! „Sağ ol“ bedeutet so viel wie „Bleib wohlauf“. Zur Begrüssung wird „Salam“ verwendet, was „Frieden“ bedeutet. Daher ist so ziemlich jedes Gespräch zwischen „Frieden“ und „Bleib wohlauf“ eingebettet.
Einige Wörter lassen sich richtig gut bildlich vorstellen und regen zum Schmunzeln an: Beispielsweise heisst „ich verstehe“ „başa düşmək“ (ş z. Dt. sch), was so viel bedeutet wie, „auf den Kopf fallen“. Für das Verb „erklären“ wird „başa salmaq“ verwendet, was mit „in den Kopf einfügen“ übersetzt werden kann. Und fürs «Zuhören» wird «qulaq asmaq» gebraucht, was wortwörtlich «das Ohr aufhängen» heisst.
In unseren Sprachlektionen verwenden wir ab und zu aserbaidschanische Märchen, davon gibt es eine grosse Fülle. Die Geschichte vom Rotkäppchen ist auch hier bekannt. Das Video ermöglicht ein Hineinhorchen in die aserbaidschanische Sprache.
Alles in allem bleibt das Erlernen der Sprache ein spannender Prozess. Ermutigend ist, dass wir mehr und mehr verstehen, von eigenen Erlebnissen berichten, mitdiskutieren und ab und zu auch mal etwas Humor einfliessen lassen können. Dennoch gibt es Momente, wo wir nur „vağzal“, äh „stansiya“ respektive einfach nur Bahnhof verstehen…
