Seit Kurzem besucht unser ältester Sohn die 1. Klasse in der lokalen Schule. Mit ihm zusammen lernen wir viel Neues über das Schulsystem. Die 26 wichtigsten Erkenntnisse haben wir für euch zusammengefasst:
A wie Anfang des Schuljahres: Dieser ist normalerweise am 15. September. Allerdings fiel dieser Tag dieses Jahr auf einen Sonntag, daher startete die Schule am Montag, 16. September 2024.
B wie Blumenstrauss: Viele Familien beschenken die Lehrperson zum Schulbeginn mit Blumen.
C wie clevere Kinder: Denjenigen Kindern, die gut mitgemacht haben im Unterricht, klebt die Lehrperson am Ende des Schulmorgens oft einen Stern-Sticker auf die Handoberfläche.
D wie Direktor: Unsere Schule wird von einer Direktorin geführt. Sie hat die neuen 1. Klässler mit einer feierlichen Willkommenszeremonie, bei der die ganze Schule, Eltern und Interessierte anwesend waren, begrüsst.
E wie Elternversammlung: Diese findet tagsüber statt, oftmals am Samstag, daher auch Elternversammlung und nicht Elternabend.
F wie freie Schulwahl: Wir durften die Schule selber wählen und taten dies ganz pragmatisch: Die Schule, die zu Fuss am besten erreichbar ist.

G wie Gedicht: Zu allen Jahreszeiten und besonderen Anlässen werden die Kinder beauftragt, zu Hause ein Gedicht auswendig zu lernen und anschliessend vor der Klasse vorzutragen.
H wie Hausaufgaben: Ja, Hausaufgaben werden auch erteilt.
I wie i oder ı? In der Aserbaidschanischen Sprache gibt es ein İ/i und ein I/ı. Das İ mit dem Punkt wird wie das Deutsche i ausgesprochen und das I ohne Punkt mehr hinten im Hals.
J wie Jahresplanung: Alle offiziellen Feiertage und schulfreien Tage sind im Hausaufgabenheft bereits vor Schulbeginn abgedruckt. Der Stundenplan der einzelnen Klassen wird jedoch erst in der ersten Schulwoche von Tag zu Tag erstellt 🙂
K wie Klassenzimmer:

L wie Lehrmittel: Die Schulhefter müssen die Eltern einkaufen. Unsere Lehrerin verschickte aus diesem Grund im Klassenchat Fotos der Hefter, mit denen sie arbeiten wird. Wir durften dann selbst ausfindig machen, in welchem Laden sie verkauft werden. Nachdem wir fünf Orte abgeklappert und noch immer nicht fündig geworden sind, fragten wir bei der Lehrerin nach. Sie teilte uns dann den Namen des Verkäufers auf dem Bazar mit bei dem wir die Hefter finden werden. Das war in der Tat sehr hilfreich!

M wie Müəllimə (sprich Müällimä): Das bedeutet Lehrerin und so wird sie auch angeprochen: «Hallo Lehrerin» (ohne Vor- oder Nachnamen).
N wie Nationalhymne: Diese wird regelmässig abgespielt und der Text ist in jedem offiziellen Schulbuch auf der ersten Seite abgedruckt.

O wie ordentlich auf dem Stuhl sitzen: Oberkörper gerade, Blick zur Wandtafel gerichtet und die Arme überkreuzt vor der Brust auf dem Tisch.
P wie Pause: In den Pausen, die im Klassenzimmer stattfinden, dürfen die Kinder umhergehen und ihre mitgebrachten Snacks essen.
Q wie Quartal: Das erste Quartal dauert bis zum 8. November. Dann finden dieses Jahr zwei Wochen Herbstferien statt.
R wie Rucksack: Den Rucksack platziert jedes Kind auf seinem Stuhl und setzt sich auf der vorderen Stuhlkante hin. Kulturell wichtig zu wissen ist, dass Rucksäcke und Taschen in Aserbaidschan nie auf den nackten Boden gestellt werden. Dieser gilt als schmutzig.
S wie Schuljahr: Ein Schuljahr dauert normalerweise vom 15. September bis zum 14. Juni.
T wie Tür: In der 1. Klasse werden die Kinder von einer erwachsenen Bezugsperson bis zur Schulzimmertür gebracht und auch dort wieder abgeholt.
U wie Uniform: Das Tragen einer Schuluniform ist Pflicht. Auch diese muss von den Eltern gekauft werden. Zusammen mit den Schulheftern, dem Schreibmaterial und dem Schulrucksack ist das für viele Familien in unserer Stadt ein happiger Betrag. So erstaunt es nicht, dass Kreditfirmen anfangs Schuljahr auch für Schulmaterial Kredite vergeben.

V wie Verbundschrift: Bereits in der 1. Klasse wird die Verbundschrift eingeführt.

W wie w ist weg: Gut zu wissen, dass dieser Buchstabe im Aserbaidschanischen Alphabet nicht existiert.
X wie Xadimä: Das aserbaidschanische X wird wie ein deutsches CH ausgesprochen, also sprich Chadimä. Das sind die treuen Putzfrauen, die im Flur sitzen und aufpassen, dass alles mit geregelten Dingen zu und hergeht und nach dem Unterricht die Zimmer säubern.
Y wie Yes: Englisch ist bereits in der 1. Klasse auf dem Stundenplan.
Z wie Ziel: Für uns als Schweizerfamilie ist das Ziel des lokalen Schulunterrichts in erster Linie, dass unsere Kinder die Aserbaidschanische Sprache lernen und lokale Freunde finden dürfen. Nebenbei unterrichten wir sie mit Fernschulmaterial zu Hause in Deutsch und Mathematik. Und sehr Vieles lernen sie ja sowieso ausserhalb des Schulzimmers.
