Entenbraten

Eine lokale Freundin liess mir durch ihren Mann eine schöne, weisse Ente überbringen. Da sass sie nun an den Füssen gefesselt, zahm im Korb meines Fahrrades vor unserem Haus. «Was nun?», dachte ich innerlich.

Nur gut, dass ich mir im Voraus bereits Unterstützung besorgt hatte. Eine andere lokale Freundin aus dem Dorf hatte ich gebeten, mir bei der Zubereitung dieses Festmahls zu helfen. Allerdings meinte sie gleich zu beginn, dass in ihrer Familie ausschliesslich die Männer Tiere schlachten. Ok, wen könnten wir so spontan für diese Aufgabe rufen? Da wir unseren Innenhof mit einem älteren Herrn teilen, fragten wir ihn, ob er Hand anlegen könnte. Mit einem schelmischen Lächeln auf dem Gesicht holte er sein Messer aus dem Haus, das er noch schnell am Stein schleifte, legte die Ente mit einem gekonnten Griff zwischen die Füsse, packte sie an den Flügeln und dann erfolgte der tödliche Schnitt.

Fasziniert beobachteten meine Kinder den Vorgang. Nachdem die Füsse aufgehört hatten zu zucken, legten wir den leblosen Körper ins heisse Wasserbad und brachten ihn ins Haus. Dort begann die knifflige Fingerarbeit, das Zupfen der Federn und Säubern der Innereien.

Wie dankbar war ich für die erfahrenen Hände meiner Freundin, sodass es nicht allzu lange dauerte bis der rohe Braten in der Pfanne lag.

Nun folgte noch die typische Fleischfüllung, die es so nur hier im Süden Aserbaidschans gibt: Lavengi, eine Baumnuss-Zwiebel-Mischung, die erst im Fleischwolf zermalmt und dann gemischt und gewürzt wird.

Damit stopften wir den Braten aus und die restliche Masse kochte neben dem Fleisch als Sauce mit. Bald hing ein köstlicher Fleischduft in der Luft. Als traditionelle Beilage reichten wir lokalen Reis genannt Plov.

Etwas durfte nicht fehlen: Auch unserem Privatmetzger brachten wir einen gefüllten Teller. Der staunte, dass wir an diesem Morgen eines seiner Lieblingsessen zubereitet hatten. Einige Tage später überreichte er, als er vom Bazar nach Hause kam, unseren Kindern Nüsse, Früchte und Schokolade. Typisch für das Leben hier: Ein Geben und Nehmen.

5 Antworten auf „Entenbraten“

  1. Ich staune über eure Kontakte und auch die Hilfsbereitschaft all dieser Menschen!
    Mhhmm… diese Gewürze und Zutaten! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen (-:!

  2. Wow, so schön zu lesen!
    Und fand das feine Mahl Anklang? Für mich tönt es sehr lecker.
    Oder hatten die Kinder mehr Freude an der Schokolade?
    eine Ente habe ich tatsächlich noch nie zubereitet😊.
    Interessant wieviele Menschen beteiligt sind an dieser Ente!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert