Was macht die Gazelle im Strassenverkehr?

In unserem letzten Beitrag „ÖV-Knigge“ haben wir euch gefragt, wieso eine Marschrutka auch Gazelle genannt wird. Danke für alle Beiträge! Da kamen ein paar gute Ideen zusammen. Hier eine Auswahl:

Also, der Bus heisst bestimmt Gazelle, weil er aussieht wie eine ramponierte Gazelle nach einer kräfteraubenden Flucht vor einem Raubtier. Die Jagd durch Dornbüsche, über Steine und am Ende schwimmend durch eine mit Wasser geflutete Furt hat ihre Spuren hinterlassen. Und dennoch: Flink, zielgerichtet und verlässlich davongekommen! – Marianne

Da der Bus nun mal gar nicht wie eine Gazelle aussieht, sondern eher gegenteilig, plump und schwerfällig, braucht sie einen Namen , der einen zum Schmunzeln bringt, damit man mit Humor die vielleicht eher holprige Fahrt mitmacht. – Pia

Gazelle passt, weil der Bus über Schlaglöcher hüpft. – Thomas

Was ist nun der tatsächliche Grund, dass diese Minibusse Gazellen genannt werden? Heute fahren hauptsächlich solche Minibusmodelle durch die Strassen, wie auf dem obigen Bild. Hingegen wurden früher anscheinend viele Minibusse von einem russischen Automobilkonzern namens GAZ verwendet. Dieser hatte ein Minibus im Angebot, welche GAZelle genannt wurde, also ein Wortspiel mit dem Firmennamen. Diese Modelle fahren nur noch selten in Aserbaidschan. Jedoch wird bis zum heutigen Tag in der Alltagssprache in unserer Stadt das russische Wort „GAZel“ für diese Minibusse verwendet.

ÖV-Knigge

Mit eng angewinkelten Beinen sitze ich auf dem Sitz in der Marschrutka und beobachte, wie die restlichen Passagiere einsteigen und sich ihren Platz suchen. Ich stelle mich darauf ein, dass es noch eine Weile dauern kann, bis wir losfahren. Unterdessen ist der Bus gut gefüllt, zwei Plätze auf der Rückbank sind noch zu haben. Eine Frau mit schwer beladenen Einkaufstaschen vom Bazar wirft einen Blick zur Tür hinein und überlegt, ob sie noch mitfahren möchte. Der Chauffeur ermutigt sie einzusteigen, denn Platz hat es noch. Ihr Gepäck soll sie direkt neben der Tür hinstellen. Wird sie sich auf die Rückbank neben die einzigen drei männlichen Passagieren quetschen oder doch lieber im Gang vorne stehen bleiben? Wie ich innerlich vermutet habe, entscheidet sie sich für den Stehplatz, denn die ungeschriebene Regel ist, dass die hinterste Reihe den Männern vorbehalten ist.

Neben dieser Regel gibt es noch andere Benimmregeln, welche du wissen solltest, bevor du im Süden Aserbaidschans in den öffentlichen Verkehr steigst.

  • Die Marschrutka fährt erst los, wenn ziemlich alle Plätze gefüllt sind, denn der Chauffeur verdient sein Geld mit jedem einzelnen Passagier.
  • Fahrplan? Den gibt es hier nicht. Wer geduldig am Strassenrand wartet, wird meistens irgendwann belohnt.
  • Frauen sitzen im vorderen und die Männer im hinteren Teil des Busses.
  • Schwangere Frauen, Reisende mit kleinen Kindern und älteren Leuten wird sofort ein Sitzplatz angeboten.
  • Männer bieten ihren Sitz Frauen an, mit Ausnahme der hintersten Reihe in der nur Männer sitzen.
  • Jeder Passagier bezahlt das Geld für die Fahrt beim Aussteigen direkt an den Chauffeur.
  • Auf jeder Busstrecke sind nur wenige Haltestellen gekennzeichnet. Allerdings kann der Bus jederzeit mit einer einfachen Handbewegung herbeigewunken werden. Zum Aussteigen wird dem Chauffeur im Bus zugerufen, wo er anhalten soll.
  • Vielfach wird die Marschrutka auch Gazelle genannt. Warum wohl? Schreibe deine Idee als Kommentar hin. Auflösung folgt später.

So, mit diesen Tipps wünsche ich dir eine gute Fahrt. Oder «Yaxşı yol» (z. Dt. yachsche yol), wie man hier sagt.

Mastering public transportation

With my legs tightly bent, I sit on a seat in the marshrutka and observe as the rest of the passengers get on and find their seats. I am preparing myself for the fact that it may be a while before we set off. After a while, the bus has almost filled up, two seats on the back seat are still available though. A woman with large shopping bags from the bazaar glances in the door and is considering whether she still wants a ride. The chauffeur encourages her to get in because there is still room. She should put her bags right next to the door. Will she squeeze into the back seat next to the only three male passengers or stay in the aisle in front? As I expected, she decides to stand, because the unwritten rule is that the back row is reserved for men.

Besides this rule, there are other unwritten rules that you should know before boarding public transport in southern Azerbaijan.

  • The marshrutka only sets off when pretty much all the seats are filled, because the chauffeur earns his money with every single passenger.
  • Timetable? There is none here. Those who wait patiently at the roadside are usually rewarded with a marshrutka passing at some point.
  • Women sit in the front of the bus and the men in the back.
  • Pregnant women, travelers with small children and elderly people are immediately offered a seat.
  • Men offer their seats to women, except for the back row where only men sit.
  • Each passenger pays the fee for the ride directly to the chauffeur when getting off.
  • There are only a few official bus stops on each bus route. However, the bus can be hailed at any time with a simple hand gesture. To get off, tell the chauffeur where to stop.

So, with these tips I wish you a good journey. Or «Yaxşı yol» as they say here.

Feijoa – eine exotische, einzigartige, erfrischende Frucht

Sie wächst vor unserer Haustür! Grund genug, euch diese Frucht genauer vorzustellen. Die Feijoapflanze ist in südlichen und tropischen Gebieten beheimatet wie Neuseeland, Australien, Südamerika und eben auch im Süden Aserbaidschans. Im Frühjahr wachsen am strauchartigen Baum wunderschöne, rot-weisse Blüten. Daraus werden grüne, pflaumengrosse, eiförmige Früchte gebildet.

Ihre Schale ist hart, das Fruchtfleisch hingegen weich und weiss. Im Geschmack ist sie leicht säuerlich und erfrischend, ähnlich wie ein Mix aus Ananas und Erdbeeren. Zudem sind sie reich an Mineralstoffen und Vitamin C.

Die Feijoa Erntezeit hat dieses Jahr Ende Oktober begonnen. Die einzelnen Früchte werden entweder roh genossen oder zu Kompott und Marmelade weiterverarbeitet. Mit einer einheimischen Freundin habe ich dieses Jahr zum ersten Mal selbst Kompott nach aserbaidschanischer Art eingekocht. Dafür braucht es viele Feijoa Früchte und eine grosse Menge Zucker, Wasser und Gläser. Erst wuschen und säuberten wir die Feijoafrüchte, dann entfernten wir vorne und hinten ein wenig vom Fruchtfleisch. Anschliessend füllten wir die Früchte in die heiss ausgekochten Gläser, schütteten Zucker dazu und füllten sie mit kochendem Wasser auf. Danach verschlossen wir sie mit dem Deckel und deckten die fertigen Gläser mit einem warmen Tuch zu, damit sie langsam abkühlten.

Nun warten diese Gläser auf den nächsten Gast, um diesen Kompott bei einem gemeinsamen Essen zu trinken. Ja, hier wird der Kompott hauptsächlich als süsses Getränk zu besonderen Gelegenheiten verzehrt. Wer möchte, isst die Früchte am Schluss noch auf. Zum Wohl!

Feijoa – an exotic, unique, refreshing fruit

It grows right on our doorstep! Reason enough to introduce this fruit to you in more detail. The feijoa plant is native to southern and tropical regions such as New Zealand, Australia, South America and southern Azerbaijan. During springtime, beautiful red and white flowers grow on the bush-like tree. From these, green, plum-sized, egg-shaped fruits are formed.

Its skin is hard, but the flesh is soft and white. The taste is slightly sour and refreshing, similar to a mix of pineapple and strawberries. Furthermore, they are also rich in minerals and vitamin C.

The feijoa harvest season begins at the end of October. The individual fruits are either eaten raw or processed into compote and jam. For the first time, I made my own compote together with a local friend in Azerbaijani style. You need a lot of feijoa fruits and a lot of sugar, water and jars. First we washed and cleaned the feijoa fruits, then we removed a little of the top and bottom. Then we filled the fruit into the hot boiled jars, added sugar and filled them up with boiling water. Then we closed them with the lid and covered the finished jars with a warm cloth so that they cooled slowly.

Now these jars are waiting to be drunk by the next guest at a shared meal. Yes, here the compote is mainly consumed as a sweet drink on special occasions. If you like, you can eat the fruit at the end. Cheers!